Computerspiele sind Teil unserer Kultur und ein erheblicher Wirtschaftsfaktor

Lars Klingbeil

Es ist inzwischen unbestritten und weitgehend akzeptiert, dass Computerspiele nicht nur einen erheblichen Wirtschafts- und Standortfaktor darstellen, sondern Teil unserer Kultur sind. Endlich ist es gelungen, die oftmals verkürzte und unsachliche Debatte über Computerspiele und ihre möglichen Gefährdungen zu versachlichen und den kulturellen Wert von Computerspielen und deren Bedeutung für alle Generationen aufzuzeigen. Ein Schwerpunkt der gamescom liegt daher auf der Spielekultur, mit dem die Kultureinflüsse, die in den vergangenen Jahren auf den Games-Bereich eingewirkt haben, aufgezeigt werden sollen.

Daneben sind Computerspiele natürlich auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland von herausragender Bedeutung und es ist zu begrüßen, dass auf der gamescom auch eine  neue Generation von sehr erfolgreichen deutschen Spieleentwicklern vertreten sein wird. Insbesondere Startups und junge Unternehmen stehen aber angesichts der notwendigen Investitionskosten auch vor gewaltigen Herausforderungen. Hier haben die Maßnahmen zur Förderung einer neuen Gründerkultur in Deutschland einen wichtigen Beitrag geleistet, um neuen und jungen Unternehmen eine Chance im weltweiten Spielemarkt zu eröffnen. Diese sollten erhalten und ausgebaut werden. Inzwischen haben Computerspiele auch in den Hochschulen einen hohen Stellenwert  und es drängen hochqualifizierte Entwicklerinnen und Entwickler auf den Markt. So kann es gelingen, dass Deutschland für Spieleproduzenten attraktiv bleibt und seine Marktposition erhalten und ausbauen kann.

Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt es, dass die Spieleproduzenten, die Spieleentwickler, die Spielenutzer und die Wissenschaft gemeinsam mit der Politik auch das Thema Medienkompetenz im Umgang mit Computerspielen in den Fokus der öffentlichen Debatte rücken. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet auch der Deutsche Computerspielepreis. Leider hat die Bundesregierung die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung noch immer nicht erkannt, wie die überzogene Debatte bei der Preisverleihung des Deutschen Computerspielepreises gezeigt hat. Es fehlen bis heute ernsthafte Initiativen, um die deutsche Entwicklerszene oder auch das gemeinsame Bemühen um Medienkompetenzvermittlung zu unterstützen. Das ist bedauerlich, denn so bleiben die Potenziale von qualitativ hochwertigen Computerspielen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Es wird Zeit, dass endlich auch die Bundesregierung den kulturellen Wert der Computerspiele und ihre wirtschaftliche Bedeutung anerkennt und entsprechende Initiativen ergreift.

2 Kommentare zum Artikel

  • Lukas Steinbrink am 15. August 2012

    Endlich mal ein qualitativ hochwertiger Beitrag zu diesem Thema, der auch noch zu 100% wahr ist! Sehr großes Lob an Herr Klingbeil, in konservativen Kreisen sollte dieses Thema mal in ein neues Licht gerückt werden!

  • Thomas Salzmann am 15. August 2012

    Die Frage, ob Computerspiele Teil unserer Kultur sind, erinnert mich an die merkwürdige Debatte darum, ob der Islam zu Deutschland gehört. Natürlich sind Computerspiele ein Teil unserer Kultur, Spielekultur eben, nicht mehr und nicht weniger. Ob das eine Frage der politischen Farbe ist, glaube ich eher nicht. Auch in der CDU-Bundestagsfraktion gibt es Mitglieder, die den Games positiv gegenüber stehen.
    Für Sozialdemokraten finde ich die Frage spannend, wie man dazu steht, dass ein maßgeblicher Anteil des kommerziellen Erfolges mit Spielen erzielt wird, die das simulierte Töten immer weiter technisch perfektionieren oder die jugendlichen Nutzer in die Rolle skrupelloser Verbrecher schlüpfen lassen.
    Es wundert mich, dass Sozialdemokraten und andere demokratische Politiker gegen solche Spiele nicht eine natürliche Abneigung hegen und diese auch artikulieren.
    Gegen Spiele ist grundsätzlich nichts zu sagen, aber differenzieren sollte man schon.

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