Anonyme und pseudonyme Nutzung bei sozialen Netzwerken ermöglichen

Lars Klingbeil

Gemeinsam mit 28 Mitstreiterinnen und Mitstreitern habe ich mich mit einem Offenen Brief an Google gewandt und dafür geworben, dass das Unternehmen seine bisherige Praxis bei der Anmeldung zum sozialen Netzwerk überdenkt. Gegenwärtig ist eine Anmeldung dort entsprechend der Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit der Auflage verbunden, dass man sich mit dem Klarnamen und nicht etwa mit einem Pseudonym registriert. Mit dem Konkurrenten Facebook, welches ebenfalls eine pseudonyme Nutzung ausschließt, führen wir herzu bereits seit längerem Gespräche.

Die Verweigerung einer anonymen oder pseudonymen Nutzung ist aus unserer Sicht nicht geboten und auch nicht sinnvoll oder notwendig.  Zudem widerspricht diese Praxis dem geltenden deutschen Recht, demzufolge eine anonyme oder pseudonyme Nutzung zu ermöglichen ist, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist.

Die anonyme oder pseudonyme Nutzung ermöglicht es den Bürgerinnen und Bürgern, im Einzelfall und nach ihrem eigenen Dafürhalten eine Meinung frei artikulieren zu können, ohne Ächtung und Nachteile befürchten zu müssen. Dies ist essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie. Es entspricht zudem auch der natürlichen Begegnung in der Realität, wo sich Menschen zunächst ohne Namensnennung begegnen und einander dann vorstellen, wenn sie selbst es für geboten halten.

Ferner bietet die pseudonyme Nutzung Bürgern in totalitären Staaten gewissen Schutz vor Repressionen. Die Ereignisse in Tunesien, Ägypten oder in Libyen haben auf der einen Seite die Gefährdungen aufgezeigt, denen die freie Meinungsäußerung und die unbeobachtete Kommunikation, unabhängige Medien und ein freies Internet immer aufs Neue ausgesetzt sind. Sie zeigen aber zugleich, dass das Internet und auch die Sozialen Netzwerken einen enormen Beitrag für die Freiheitsbewegungen in diesen Ländern geleistet haben. Dies setzt aber aus unserer Sicht eine anonyme und pseudonyme Nutzungsmöglichkeit zwingend voraus.

Der vollständige offene Brief ist hier abrufbar.

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