Medienkompetenz: Chancen in den Mittelpunkt

Aydan Özoğuz

Die digitalen Medien prägen weite Teile unseres täglichen Lebens, sowohl im privaten wie auch im beruflichen Umfeld. Medienkompetenz ist ein Thema, das alle Generationen angeht.  Der kompetente Umgang gerade mit neuen Medien entscheidet schon heute über Berufs- und Bildungschancen. Für die Zukunft ist es wichtig, vor allem die Chancen des Internets für die Wissensgesellschaft in den Mittelpunkt der Bemühungen für eine bessere Medienkompetenz zu stellen. Bei politischen Projekten muss es vor allem darum gehen Kindern und Jugendlichen die vielen Chancen der digitalen Welt zu eröffnen und ihnen einen sicheren, kompetenten, kreativen und gestaltenden Umgang mit dem Internet zu ermöglichen .Alle Experten waren sich bei der heutigen Anhörung einig, dass im Bereich der Vermittlung von Medienkompetenz noch größere Anstrengungen unternommen werden müssen.

Die Gruppe der Ansprechpersonen für Medienkompetenzvermittlung ist groß: Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und nicht zuletzt Kinder und Jugendliche. Die Expertenanhörung hat gezeigt, dass es derzeit oftmals auch an einer solchen Kompetenz der Lehrenden und Erziehungsberichtigten mangelt und daher die kompetente Begleitung viel zu häufig fehlt. Es ist daher dringend erforderlich, dass der Umgang mit digitalen Medien fester Bestandteil in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern wird. Ebenso muss die Vermittlung von Medienkompetenz einen noch größeren Stellenwert in den Lehrplänen aller Bundesländer bekommen und mehr Medienkompetenz ermöglichen statt zu verhindern. Die Kultusbehörden der Länder sind aufgefordert sich auf einheitliche Leitlinien und Standards zu verständigen. Ein Augenmerk muss aber natürlich ebenso auf die Elternarbeit gelegt werden: Eltern müssen mehr Angebote und Information bekommen, damit Schülerinnen und Schüler auch zu Hause Anleitung erfahren. Ein Problem dabei bleibt, nämlich die Frage, wie möglichst viele erreicht werden können. Des Weiteren ist es unabdingbar, dass alle Kindergärten und Schulen – gleich welcher Schulart – über eine adäquate Ausstattung an technischen Geräten verfügen, so dass alle Schülerinnen und Schüler unabhängig ihrer Herkunft und den finanziellen Verhältnissen im Elternhaus die gleichen Chancen auf Teilhabe- und (Medien-)Bildung haben. Deutschland hängt bei der Ausstattung mit PC’s in Schulen im weltweiten Vergleich allerdings immer noch weit hinterher: das Verhältnis von Schülerinnen und Schüler auf einen PC beträgt in Deutschland 10 zu 1, der Durchschnitt in den OECD-Staaten beträgt 5 zu 1. Ebenso gilt es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Jugendeinrichtungen besser zu schulen und auch an Orten der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen ausreichend Zugang zu digitalen Medien zu ermöglichen.

Die Anhörung hat aber auch gezeigt, dass das Thema Medienkompetenz nicht isoliert diskutiert werden kann. Mehr Engagement ist von der Bundesregierung gefordert, es gilt den Breitbandausbau in den ländlichen Regionen konsequenter voranzutreiben, damit eine dauerhafte digitale Spaltung von städtischen und ländlichen Regionen verhindert wird. Ebenso dürfen mit den berechtigten Rufen nach mehr Medienkompetenz die Themen Jugend- und Verbraucherschutz oder Datensicherheit nicht obsolet werden.

Verweisen möchte ich auf das Medienpädagogische Manifest „Keine Bildung ohne Medien!“, welches von den zentralen medienpadagogischen Einrichtungen veröffentlicht und inzwischen von über 1.000 Personen und Einrichtungen unterzeichnet wurde. Das Medienpädagogische Manifest „Keine Bildung ohne Medien!“ finden Sie hier.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

 
* Erforderliche Felder; E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht