Klimaschutz – eine Frage sozialer Gerechtigkeit?

Matthias Miersch

Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir insbesondere im Bereich des Klimaschutzes unsere Zukunftsplanungen und Ziele verbindlich gestalten und einhalten müssen: Denn der Planet Erde lässt nicht mit sich verhandeln. Seine Grenzen sind klar definiert.

Wir erleben in den unterschiedlichsten Bereichen bewegte Zeiten: Vieles, was bislang als gesetzt und sicher galt, ist Veränderungen unterworfen; Veränderungen, die Fragen aufwerfen, was die Zukunft wohl für uns im Einzelnen bereithalten mag. Bereits Willy Brandt erkannte: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“.

Seit vielen Jahre mache ich mit Leib und Seele Klimaschutzpolitik. So habe ich mich nicht zuletzt im Rahmen der vergangenen Koalitionsverhandlungen im Bund dafür eingesetzt, dass wir bis zum Jahr 2019 ein nationales Klimaschutzgesetz erarbeiten und verabschieden wollen.

Dass ein Kohleausstieg notwendig ist, um unsere gesetzten Klimaziele einzuhalten, ist nicht von der Hand zu weisen. Nach einer aktuellen Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen ist die Mehrheit der deutschen Bevölkerung für einen schnellen Ausstieg aus der Kohle. Ebenso geht aus dieser Studie hervor, dass im Bundesvergleich die Zustimmung in den Kohlerevieren eher verhaltener ausfällt – die Angst vor Arbeitsplatzverlusten sowie vor steigenden Kosten durch den Ausstieg ist hoch. Der Wandel soll jedoch nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes ein Erfolg werden, sondern vielmehr auf einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz fußen. Die anspruchsvolle Aufgabe ist es nun, den Ausstieg aus der Kohle möglichst ökologisch und sozial gerecht zu gestalten und dabei gleichzeitig wirtschaftliche Interessen nicht aus dem Auge zu verlieren. Diesen Dreiklang werden wir nur gestalten können, wenn Vertreter der verschiedensten Interessensgruppen gemeinsam in einen transparenten und sachlichen Dialog eintreten.

Die kürzlich vom Bundeskabinett eingesetzte Regierungskommission «Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung», für die der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und ich in den Koalitionsverhandlungen einen klaren Auftrag formuliert hatten, ermöglicht es nun, einen solchen Dialog, der sich mit den zentralen Knackpunkten der Strukturentwicklung befassen wird, aufzugreifen. So wird es in den Kommissionssitzungen vor allem darum gehen, ein Abschlussdatum für den Kohleausstieg festzulegen und konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Lücke und weitestgehenden Erreichung des Klimaziels 2020 zu bestimmen. Auch werden Antworten auf zentrale Fragen gefunden werden müssen, die sich mit der Arbeitsplatzsituation befassen: Wie sollen in den Braunkohleregionen beispielsweise neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wo alte verloren gehen?

Nur durch das Zusammenwirken unterschiedlicher politischer Ebenen – Bund, Länder sowie Kommunen – lässt sich der bevorstehende Strukturwandel möglichst eng begleiten. So werden der Kommission Wissenschaftler, Bundestagsabgeordnete, Vertreter diverser Unternehmen, Organisationen und Vereinigungen sowie Kommunalpolitiker angehören. Als Mitglied der Kommission werde auch ich die Möglichkeit haben, den Prozess rund um den Kohleausstieg aktiv mitzugestalten. Vergleichbare Gremien für die Bereiche Verkehr und Bau kann ich nur anmahnen, denn beim Thema Mobilitätswende halte ich uns noch für völlig am Anfang stehend. Das geplante Klimaschutzgesetz wird nicht ausschließlich mit dem Energiesektor auskommen. Ich kann daher nur an die für Verkehr und Bau Ressortverantwortlichen appellieren, ähnlich vorzugehen, wie es nun für den Kohleausstieg geplant ist.

Die größte Herausforderung der Kommissionsarbeit dürfte darin bestehen, gemeinsam einen Konsens zu finden, der über Jahrzehnte hinweg tragen wird. Ein solch tiefgreifender Strukturwandel lässt sich nur bewältigen, wenn er auch vor dem Hintergrund sozialer Gerechtigkeit gestaltet wird. Für das Gelingen des Wandels wird es daher essenziell sein, den betroffenen Bürgern eine Perspektive zu geben und sie aktiv mit einzubeziehen. Sie müssen auf dem Weg der Veränderung mitgenommen werden – nur so ist ein erfolgreicher und nachhaltiger Strukturwandel möglich.

In diesem Sinne: Lasst uns den Strukturwandel gemeinsam gestalten und auf diese Weise – ganz im Sinne Willy Brandts – unsere Zukunft „voraussagen“.

Der Beitrag stammt aus dem Magazin „Demo“.

Der Klimaprozess lebt, bringt aber nicht die notwendigen Ergebnisse

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Abermals hat eine Klimakonferenz gezeigt, dass dort die Probleme der Welt im Angesicht eines sich beschleunigenden Klimawandels nicht gelöst werden. Die Interessen sind zu unterschiedlich, und letztlich entscheiden die Delegationen nach vermeintlichen nationalen Interessen.
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EU-Saatgutreform: Pflanzenvielfalt sicherstellen

(Quelle: dpa-bildfunk)
(Quelle: dpa-bildfunk)

Uns haben in den letzten Tagen viele Fragen zum Thema Saatgutrecht im Zusammenhang mit Gemüse-, Obst- und Getreidesaatgut erreicht. Die Meldungen dazu sind widersprüchlich.

Die europäische Kommission hat bisher lediglich angekündigt, am 6. Mai einen ersten offiziellen Vorschlag für die EU-Saatgutverordnung vorzulegen. In erster Linie soll es nach Verlautbarung der Kommission darum gehen, die Vielzahl von unübersichtlichen Richtlinien in einer Verordnung zu bündeln. Inhaltlich gibt es bisher keine verlässlichen Informationen. Daher halten wir uns mit Bewertungen und Kritik vorerst zurück.

Wir werden das Thema weiterhin verfolgen und darauf achten, dass das europäische Parlament die Vorschläge der Kommission genau prüft. Durch den Kampf um die Kartoffelsorte „Linda“ hat Matthias Miersch viel Erfahrung mit dem Thema und weiß um dessen Wichtigkeit.

Im Übrigen sind wir programatiisch gut aufgestellt. Grüne Gentechnik lehnen wir ab und wir kämpfen gegen die Biopatentierung von Pflanzen und Tieren. Insgesamt sind wir gegen eine Kontrolle der Nahrungsmittelerzeugung durch Großkonzerne.

Spätestens am 6. Mai werden uns verlässliche Informationen vorliegen, sodass wir dann hier inhaltlich detaillierter informieren können. Wir werden uns entschieden dafür einsetzen, dass die EU-Saatgutrechtsreform nicht zu einer Einschränkung der Landwirt_innen, Verbraucher_innen und Kleingärtner_innen führt! Wir wollen den Erhalt alter und bewährter Kulturpflanzen sicherstellen.

Unsere Leseempfehlungen zum Thema:
taz.de: EU-REFORM DES SAATGUTRECHTS: Fehlalarm bei Facebook
stern.de: EU-Saatgutverordnung Aufruhr im Gemüsegarten