Digitale Souveränität statt Angst vor Digitalisierung

(Quelle: dpa-bildfunk)
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Die Debatte um den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft droht in Deutschland den Blick auf die Chancen zu verlieren, wenn Angst die Regie übernimmt. Ausspähung und Datenmissbrauch, Manipulation und Cyberkriminalität – diese Gefährdungen sind ja nicht von der Hand zu weisen. Dazu kommt die berechtigte Sorge, durch die Digitalisierung könnten viele Arbeitsplätze verloren gehen, und die verbleibenden werden sich fundamental verändern. Unser Leben ändert sich fundamental, denn diese vierte industrielle Revolution ist viel mehr als nur ein Wandel der Produktionsmethoden. Darin ist sie ihrer Vorgängerin im 19. Jahrhundert durchaus vergleichbar, sie bewirkt einen tiefgreifenden Umbruch unserer Arbeit, unserer Gesellschaft, unserer Welt.

Doch anders als im 19. Jahrhundert verfügen wir heute neben einem demokratisch verfassten Staatwesen und einer politischen Ordnung, die sich die Gestaltung eines solchen Wandels zutrauen darf, über ein flächendeckend ausgebautes System von Bildungsinstitutionen von der frühkindlichen Bildung bis zum VHS-Kurs für Senioren. Wenn wir unser Bildungssystem fit machen für den digitalen Wandel, wenn wir die digitale Souveränität für alle Bürgerinnen und Bürger als seine Aufgabe begreifen, dann kann es gelingen, dass keiner zu Schaden kommt und keiner zurückbleibt, dass alle sicher und kompetent an der Gestaltung des digitalen Wandels und an seinen Chancen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung teilhaben.

Leider sind die Schulen, Hochschulen, Ausbildungsstätten und Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland auf diese Aufgabe nicht vorbereitet, obwohl digitale Medien und vernetztes Leben und Arbeiten für viele Lehrende und die meisten Lernenden längst zur realen Lebenswelt gehören.

Die Angst vor der Digitalisierung mündet auch im Bildungsbereich in einen Zustand von Erstarrung und Konzeptlosigkeit. Um diesen Zustand zu überwinden, um Lehrkräften und Institutionen Mut zu machen für den digitalen Wandel, braucht es eine Offensive „Digitale Souveränität für alle“, die über Milliarden-Investitionen in die digitale Infrastruktur weit hinausgeht.

  • Schulen ans Netz 4.0 – das braucht neben schnellen Internetverbindungen, WLAN-Netzen und mobilen Endgeräten vor allem ein Netz für Bildungseinrichtungen, das Lernerdaten schützt und das Plattformen für digitale Lehr- und Lernangebote, für Schulorganisation und Nutzerverwaltung dezentral organisiert und
  • Wir wollen freien Zugang zu Bildungsangeboten und zu Lehr- und Lerninhalten und wollen deshalb die Entstehung und Verbreitung offener digitaler Lehr- und Lernmaterialien (OER) aktiv fördern, eine wirksame Schrankenregelung für Bildung und Wissenschaft entwickeln und den Zugang zu digitalen Bildungsangeboten auch für atypische und nonformale Teilnehmer öffnen.
  • Damit Lehrkräfte und Bildungsinstitutionen digitale Medien und Lernformate sicher, kompetent und wirksam einsetzen können, wollen wir die Aus- und Weiterbildung pädagogischer Berufe auf digitale Bildung ausrichten und die Struktur der Medienanstalten und -zentren für eine Kompetenzinitiative für digitale Bildung nutzen.
  • Bund und Länder müssen digitale Bildungsstandards und Curricula gemeinsam entwickeln und damit die unterschiedlichen Konzepte von Medienbildung und informatischer Bildung zu einer verpflichtenden Definition von digitaler Bildung zusammenführen.

Mit der Gestaltung des digitalen Wandels steht die Politik vor einer gewaltigen Aufgabe.  Damit der Wandel gelingt und alle an den Chancen teilhaben können, müssen wir durch eine gemeinsamen Offensive von Bund, Ländern, Kommunen und weiteren Akteuren des Bildungssystems digitale Souveränität für alle Bevölkerungsschichten ermöglichen. Der Bund muss die weitreichenden und ambitionierten Vereinbarungen der Länder in der Kultusministerkonferenz zur „Bildung in der digitalen Welt“ aufgreifen und für nachhaltig wirksame Investitionen die Überwindung des Kooperationsverbots in der Bildung anstreben.

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#DigitaleBildung

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