Spaltung der Gesellschaft durch digitale Bildung überwinden

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Vor einen Monat haben die Bundesminister Gabriel, de Maizière und Dobrindt die Digitale Agenda der Bundesregierung vorgestellt. Wichtige Ziele dieser Agenda sind die Erschließung des wirtschaftlichen Innovationspotenzials der Digitalisierung, die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung z.B. durch digitale Dienstleistungen und die Gestaltung digitaler Lebenswelten in und mit der Gesellschaft.

Entscheidende Grundlage für diese Entwicklungen ist zum einen der verlässliche und schnelle Internetzugang für alle. Das Vorhaben, bis 2018 Anschlüsse mit einer Übertragungsrate von mindestens 50 Mbit/s für alle einzurichten, mag ambitioniert erscheinen, wenn man sieht, wo wir insbesondere in ländlichen Gebieten stehen – als echte Zukunftsvision taugt es nur bedingt und kann nur ein Zwischenschritt sein! Damit alle Menschen, alle Institutionen, alle Unternehmen auch in der Fläche sich auf den Weg machen können, an den Chancen der Digitalisierung teilzuhaben, müssen wir uns den Ausbau des Glasfasernetzes als zukunftsfeste Technologie vornehmen, und dazu braucht es gezielte staatliche Förderung.

Grundlegend ist zum anderen, und auch da liegen wir hinter den europäischen Nachbarn weit zurück, eine Strategie für die digitale Bildung unserer Kinder, aber auch der erwachsenen und der älteren Generation. Nur die kompetente, souveräne Nutzung digitaler Medien ermöglicht echte Teilhabe, und in dieser Frage droht unserer Gesellschaft eine digitale Spaltung! Mit einer die Ebenen übergreifenden Strategie „Digitales Lernen“ und nachhaltigen Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur, mit der Förderung freier digitaler Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources, OER), offenem Zugang zu öffentlich gefördertem Wissen (Open Access) und einem zeitgemäßen bildungs- und wissenschaftsfreundlichen Urheberrecht, das den Austausch in Bildung und Wissenschaft stärkt, muss die Grundlage für Lernen in der digitalen Gesellschaft geschaffen werden.

Für die SPD und ihre Bundestagsfraktion ist die Überwindung der digitalen Spaltung eine Aufgabe von hoher Bedeutung. Daher werden wir uns auch aktiv in diesen Prozess einbringen, und wir wollen dabei:

  • Die Grundlagen für den Umgang mit digitalen Medien frühzeitig legen – durch erziehungspartnerschaftlich entwickelte Medienbildungs-Konzepte in KiTas und Grundschulen, die auch die Elternkompetenz stärken. Durch Pilotprojekte der Familienbildung kann auch der Bund die Entwicklung solcher Konzepte fördern
  • Eine digitale Grundbildung als Schlüsselkompetenz für alle Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Dazu braucht es ein Schulfach Computing, aber auch die Verankerung digitaler Kompetenzen als fächerübergreifende Querschnittsaufgabe in allen Schulstufen und Schulformen sowie in außerschulischen Jugendbildungseinrichtungen.
  • Ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht schaffen, beispielsweise durch die Einführung einer modernen Bildungs- und Wissenschaftsschranke. Diese darf aber nicht zu einer Einengung der bestehenden Schranken für Bildung, Wissenschaft und Forschung führen, sondern muss zeitgemäßes Forschen, Lehren und Lernen ermöglichen.
  • In einem ersten Schritt bringen die Regierungsfraktionen in dieser Woche einen Gesetzentwurf ein, mit dem die Befristung des § 52a des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) aufgehoben werden soll. Diese Regelung erklärt es für zulässig, kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften zur Veranschaulichung im Unterricht an Schulen, Hochschulen für Unterrichtszwecke (§ 52a Absatz 1 Nummer 1 UrhG) oder für Forschungszwecke (§ 52a Absatz 1 Nummer 2 UrhG) öffentlich zugänglich zu machen, d. h. etwa in Intranets einzustellen. Diese Regelung ist für die Bildungseinrichtungen essentiell und es ist gut, dass wir diese Regelung – nachdem die Befristung mehrfach verlängert wurde – nun dauerhaft entfristen.
  • Die Entwicklung frei zugänglicher digitaler Lehr- und Lernmaterialien (OER) fördern, wie es auch die EU in ihrer digitalen Agenda empfiehlt, und damit den kreativen Einsatz digitaler Medien in schulischen und außerschulischen Bildungssystemen ebenso wie im freien lebensbegleitenden Lernen stärken. Die SPD setzt sich in den Haushaltberatungen dafür ein, dass hier ein nennenswerter Ansatz für die Grundlagen der OER-Forschung veranschlagt werden, damit in Deutschland mehr OER entstehen und besser verfügbar gemacht sowie genutzt, weiterverarbeitet und in Lehr- und Lernsettings eingesetzt werden können.
  • Generationenübergreifende Konzepte digitaler Bildung ermöglichen durch die Einführung eines Freiwilligen sozialen Jahrs (FsJ) Digital.
  • Den kompetenten und verantwortlichen Einsatz digitaler Medien in pädagogischen Einrichtungen ermöglichen. Medienpädagogik muss deshalb verpflichtender Bestandteil der Aus- und Weiterbildung des frühkindlichen, des schulischen und außerschulischen pädagogischen Personals sein. Durch Förderkonzepte wie die Qualitätsoffensive Lehrerbildung kann der Bund die medienpädagogischen Kompetenzen von Lehrkräften stärken. Es wäre zu prüfen, ob neben Projekten der Hochschulen in der Lehrerausbildung auch medienpädagogische Fortbildungsprojekte in die Förderung aufgenommen werden können.
  • Bildungseinrichtungen auch auf der technischen Seite für die digitale Bildung fitmachen. Neben der Bereitstellung leistungsfähiger Schulnetze und mobiler Endgeräte sowie deren Administration und Sicherstellung der laufenden Betriebskosten zumindest für die Schülerinnen und Schüler, die kein eigenes Gerät besitzen, braucht es dafür besondere Anstrengungen für den Breitbandanschluss sowie die rechtlichen Grundlagen für die Bereitstellung und Nutzung von offenen WLAN auch in Bildungseinrichtungen.

 

 

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