9. Europäischer Datenschutztag: Der sichere Hafen muss sicher bleiben!

Gerold Reichenbach
Foto: Corinne van den Broek

Der 9. Europäische Datenschutztag steht unter dem Motto „Europa: Sicherer Hafen des Datenschutzes?“. Die Enthüllungen von Edward Snowden und deren Folgen haben uns noch einmal eindeutig vor Augen geführt und deutlich gemacht, wie unterschiedlich das Verständnis von Datenschutz in den USA und in der EU bzw. in Deutschland ist. Gleichzeitig hat uns das gezeigt, wie dringend wir ein europaweit einheitliches Datenschutzrecht brauchen und dass wir dieses vor allem auch durchsetzen müssen.

Damit wir aber auch weiterhin einen „sicheren Hafen des Datenschutzes“ in Europa haben, muss die Europäische Datenschutz-Grundverordnung nicht nur zügig beschlossen, sie darf vor allem nicht weiter verwässert werden. Sie muss ein höchstmögliches Niveau des Datenschutzes und der Privatsphäre garantierten. Wir brauchen klare europäische Regelungen, die Schutznormen für unsere europäischen Bürgerinnen und Bürger sind und die klare Grenzen ziehen, aber auch Sanktionen bei Verstößen ermöglichen. Vor allem muss mit dem Marktortprinzip auch sichergestellt werden, dass alle Unternehmen, die in Europa ihre Dienste anbieten, sich an diese Datenschutzvorgaben halten müssen. Gleichzeitig dürfen diese Regelungen aber keine Bremse für Innovation und Wachstum sein. Vielmehr kann guter Datenschutz auch ein Wettbewerbsvorteil und Verkaufsargument für europäische Unternehmen und Startups sein. Unsere Chance liegt in der Entwicklung von innovativen Produkten, die die Privatsphäre respektieren. Implementierter Datenschutz kann ein zentraler Wettbewerbsvorteil werden. Wer den europäischen Datenschutz abschleift, stützt die Marktübermacht ausländischer Internetkonzerne.

Der digitale Fortschritt kann nur gelingen, wenn in seinem Mittelpunkt der Mensch und die Nutzerinnen und Nutzer und nicht allein das Gewinn- und Monopolstreben von Unternehmen steht!

Mehr Verschlüsselung wagen

Foto: Susie Knoll / Florian Jänicke
Foto: Susie Knoll / Florian Jänicke

Die Enthüllungen Edward Snowdens haben die Politik lange Zeit ratlos gemacht, welche Konsequenzen zu ziehen, welches politische Handeln daraus abzuleiten sei. Schnell war aber allen klar: Vertrauen und Sicherheit in unsere Kommunikation und in die Verarbeitung und den Transport persönlicher und sensibler Daten können wir nur durch eine verlässliche und starke Verschlüsselung gewinnen. Die Bürgerinnen und Bürger sind dabei eher hilflos, als dass sie sorglos wären. Sie erwarten deshalb zu Recht, dass der Staat ihr Grundrecht auf private Kommunikation schützt. Die Wirtschaft benötigt eine sichere und vertrauensvolle Kommunikation, um sich vor Industriespionage und vor Wirtschaftskriminellen zu schützen. Und für Wissenschaft und Forschung ist das Forschungsgeheimnis essentiell. Um eine solche sichere Kommunikation zu gewährleisten, ist eine starke und ununterbrochene Verschlüsselung von einem Ende der Kommunikation zum anderen Ende – Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – eine wesentliche Voraussetzung. Und zwar ohne Gucklöcher, Hintertüren oder Zweitschlüssel – wer wollte uns denn garantieren, dass die nicht auch von Unbefugten mißbraucht werden, von Kriminellen, von Wirtschaftsspionen oder von fremden Mächten?

Aus der Erfahrung der Anschläge in Paris ist in den westlichen Nationen das Bewusstsein erneuert worden, dass der Terror nicht nur weltweit, sondern auch in unserer Welt nicht beherrscht werden kann. Auch hier zeigt die Politik eine gewisse Ratlosigkeit und reagiert mit den immer gleichen Mustern: Mehr Sicherheit sei nur zu erlangen durch die immer weitgehendere Beschränkung der Bürgerrechte und damit der Freiheit. Dabei wissen wir doch: Wer die Freiheit für die Sicherheit aufgibt, wird am Ende beides verlieren!


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Netzneutralität: Verkehrte Netzwelt

Petra Kammerevert

Es war einmal 1994: Die Bundespost wurde aufgelöst und der neu geschaffenen privaten Aktiengesellschaft Deutsche Telekom wird als Starthilfe ein aus Steuergeldern aufgebautes Telefon-, Glasfaser- und Kabelnetz mehr oder weniger geschenkt. 1999 geht das Kabelnetz an die Kabel Deutschland, deren Hauptaktionär ist heute Vodafone. 1995 war das Internet schon in seiner Grundstruktur bereits entwickelt. Voraussagen, man bräuchte leistungsstärkere, moderne oder breitbandigere Netze für enorm steigende Datenübertragungsraten sind seit dieser Zeit ohne Weiteres mit wissenschaftlichen Quellen belegbar. Der Endkunde freute sich über immer günstiger werdende Flatrate-Angebote im rundum-sorglos Format: Internet, TV und Telefon in einem. Billiger war nur möglich, indem man auf Kosten der Substanz lebte – also zumindest nicht in der Geschwindigkeit und Größenordnung in den Netzausbau investierte, wie es auf Grund belastbarer Vorhersagen notwendig gewesen wäre. Brauchte man auch nicht, da man eins sicher wusste: Man schafft bewusst einen Mangel an etwas, was früher oder später jeder haben will, nahezu egal um welchen Preis und sei es um den Preis der Freiheit. Das ist der Punkt, an dem wir heute stehen.

Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte auf alle aktuell in Deutschland laufenden Debatten über Netze aller Art übertragbar ist: Ein streckenweises marodes Straßennetz soll mit einer Maut aufpoliert werden, die Deutsche Bahn AG drängt regelmäßig auf einen öffentlich finanzierten Netzausbau, unser Stromnetz kann die Herausforderungen der Energiewende nicht bewältigen. Kfz-Steuern werden brav bezahlt, es gibt eine LKW-Maut auf Autobahnen, Bahn- und Strompreise sind alles andere als im Sinkflug – aber nie reicht es für ein stabiles, leistungsfähiges Netz. Komisch. Manager beklagen sich in gewohnter Regelmäßigkeit, dass ihr Netz nicht ausreiche um anstehende Aufgaben zu erfüllen. Im gleichen Atemzug rechnen sie uns Politikern sehr genau vor, woran es fehle. Baue man nicht in den errechneten Parametern unter Zuhilfenahme öffentlicher Gelder sofort aus, drohe Ungemach, da wir sonst schon sehr bald in der Regel von asiatischen Märkten überrollt werden würden. Die Frage warum man nicht vorausschauend mittels der eigenen Unternehmenspolitik rechtzeitig darauf reagiert und Vorsorge getroffen habe, wenn man dies alles so genau wisse, wird nicht gestellt.
Konzentrieren wir uns aber weiter auf das Internet. Vergangenen Donnerstag verkündete die Bundeskanzlerin auf einer Vodafone Veranstaltung (!), die Bundesregierung habe nun eine Position gefunden, wie Deutschland in Brüssel die Verordnung zum Digitalen Binnenmarkt weiter verhandeln wolle. Diese Verordnung soll grundlegende Fragen der Netzinfrastruktur EU-weit einheitlich regeln. Mit ihr könnte eine gesetzliche Absicherung der Netzneutralität, also der Gleichbehandlung aller Daten bei der Weiterleitung in Netz, europaweit verankert werden, wenn man es denn politisch will. Seit Monaten gibt es einen erbitterten Streit um die Frage, in welchem Verhältnis Netzneutralität zu sogenannten Spezialdiensten steht. Dabei behauptet nahezu jeder, dass selbstverständlich Netzneutralität wichtig sei und grundsätzlich erhalten bleiben solle.


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IT-Sicherheitsgesetz ein wichtiger Schritt in Richtung Schutz wichtiger IT-Infrastrukturen

Gerold Reichenbach
Foto: Corinne van den Broek

Der ursprüngliche Entwurf des IT-Sicherheitsgesetzes sah eine Erlaubnis für alle Web-Seitenanbieter zur umfangreichen Erhebung von Nutzungsdaten ohne konkreten Anlass vor. Der Sicherheitsgewinn einer solchen umfangreichen Erlaubnis ist fraglich, die Streichung der vorgeschlagenen Regelung im Rahmen der Ressortabstimmung insofern zu begrüßen.

Insgesamt kommen wir mit einem IT-Sicherheitsgesetz dem Ziel, eine deutliche Verbesserung der Sicherheit informationstechnischer Systeme in Deutschland, mehr IT-Sicherheit bei Unternehmen und einen verbesserten Schutz der Bürgerinnen und Bürger im Internet zu erreichen, ein ganzes Stück näher.

Wir sind zunehmend von der Sicherheit technischer Strukturen abhängig. Umso wichtiger ist es, dass wir anlässlich der anstehenden parlamentarischen Beratungen auch die Frage diskutieren, welcher weiteren Schritte es zur Verbesserung der IT Sicherheit bedarf.

Sicherheitslücke im Internet Explorer zeigt Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen

Gerold Reichenbach
Foto: Corinne van den Broek

Der erneute Skandal um eine bislang vor der Öffentlichkeit verschwiegene Sicherheitslücke im Internet Explorer von Microsoft macht einmal mehr die Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen für die IT-Sicherheit deutlich. Diese Sicherheitslücke war Microsoft bereits seit Juni 2014 bekannt und wurde jetzt von der Zero Day Initiative veröffentlicht.

Unternehmen müssen zukünftig deutlich mehr für die Sicherheit ihrer Systeme und Produkte tun. Es kann nicht in ihr Belieben gestellt sein, ob und wenn ja wann sie die Öffentlichkeit und ihre Kunden über Sicherheitslücken informieren. Darüber hinaus müssen wir prüfen, ob die bestehenden Haftungsregelungen für IT- und Softwarehersteller ausreichend sind.

Bitcoin & Co.: Die Zukunft des Zahlungsverkehrs?

Foto: SPD-Bundestagsfraktion
Foto: SPD-Bundestagsfraktion

Für die einen ist sie der Vorreiter einer Revolution im Zahlungsverkehr, für die anderen ein neues Spekulationsobjekt mit kurzer Halbwertszeit: Die Kryptowährung Bitcoin.

Digitale Währungen könnten den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Zukunft kundenfreundlicher machen. Für die SPD-Bundestagsfraktion steht aber fest: Verbraucherschutz und Finanzaufsicht müssen gewährleistet sein, damit digitale Währungen eine Zukunft haben werden.

Die SPD-Bundestagsfraktion hat Ihre Dialogreihe zur Digitalen Agenda deshalb mit der Veranstaltung „Bitcoin & Co.“ fortgesetzt. Unter Beteiligung der AG Digitale Agenda und der AG Finanzen wurde diskutiert, welche Chancen und welche Risiken in Kryptowährungen stecken. Kann eine tragfähige Regulierung mit wirksamen Regeln zum Verbraucher- und Datenschutz etabliert werden, ohne die Innovationskraft neuer Zahlungsplattformen zu beschädigen?

Bitcoin gilt als die erste dezentrale digitale Währung. Die Idee, die dahinter steckt: schnelle, günstige und anonyme bargeldlose Zahlungen direkt von Nutzer zu Nutzer. Der Gesamtwert der aktuell über 13 Millionen weltweit im Umlauf befindlichen Bitcoin beträgt knapp 5 Milliarden Euro. Auf dem Markt gibt es derzeit mehrere hundert solcher digitaler Währungen. Ursprünglich als neues Zahlungsmittel im Onlinehandel gedacht, hat sich Bitcoin mittlerweile auch zu einem Spekulationsobjekt für Hochrisikoanleger entwickelt. Bei einem weitgehend unregulierten Markt waren schnell hohe Renditen erzielbar.

Für ihre Befürworter läuten Bitcoin die Zukunft des dezentralen Zahlungsverkehrs ein; praktisch für die Verbraucher und unbeeinflusst von Finanzaufsicht oder Zentralbanken. Seitens des traditionellen Finanzdienstleistungssektors und der staatlichen Stellen überwiegen die skeptischen Einschätzungen. Weder die steuer- und aufsichtsrechtliche Bewertung noch Fragen des Daten- und Verbraucherschutzes sind abschließend geklärt.


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Facebook will Nutzerinnen und Nutzer überallhin verfolgen

Gerold Reichenbach
Foto: Corinne van den Broek

Mit seiner neuen Werbeplattform Atlas will Facebook Werbetreibenden die Möglichkeit bieten, Nutzerinnen und Nutzer über verschiedene Geräte hinweg wiederzuerkennen. Umso wichtiger, dass bei den Verhandlungen zu einer starken einheitlichen europäischen Datenschutz-Grundverordnung das Prinzip der Einwilligung gestärkt wird. So muss bei Profilbildungen die bewusste Einwilligung Voraussetzung sein, und zudem das Marktortprinzip beibehalten werden.

Bis dato können Werbesysteme nicht unterscheiden, ob es sich immer um denselben Nutzer auf verschiedenen Geräten oder um verschiedene Nutzer handelt. Mit Atlas will Facebook die Ausspäh-Lücke schließen und seine Mitglieder im ganzen Internet jederzeit identifizieren können. Das Unternehmen verspricht sich damit noch mehr Geschäft, weil es künftig jeden jederzeit personalisiert etwa mit Werbung ansprechen kann. Die ständigen Veränderungen der Datenschutzeinstellungen bei Facebook und die Art und Weise wie das Unternehmen mit den sensiblen Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer umgeht, um den eigenen  Profit zu maximieren, zeigen einmal mehr, dass wir wirksame Datenschutzgesetze in Europa brauchen.

Daten- und Verbraucherschutz im digitalen Zeitalter sind nicht mehr auf nationaler Ebene regelbar. Wir unterstützen daher die Bundesregierung, wenn sie sich für eine zügige Verabschiedung einer europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) einsetzt, die sowohl den Persönlichkeits- als auch den Verbraucherschutz der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt und stellt.

Das Facebook Beispiel zeigt erneut, wie wichtig es ist, bei den Verhandlungen zur DS-GVO darauf zu achten, dass das Prinzip der Einwilligung als Rechtsgrundlage gestärkt wird und insbesondere bei Profilbildungen die Einwilligung als grundsätzliche Voraussetzung vorgesehen wird. Durch eine Verankerung des Marktortprinzips besteht eine bessere Möglichkeit, Internetgiganten wie Facebook die Stirn zu bieten, da dann europäisches Datenschutzrecht unabhängig vom Sitz auf alle Unternehmen Anwendung findet, die ihre Produkte und Dienstleistungen an europäische Bürgerinnen und Bürger richten. Dies ist nicht nur im Interesse der Nutzerinnen und Nutzer, sondern auch im Sinne der Chancengleichheit der europäischen Unternehmen.

Spaltung der Gesellschaft durch digitale Bildung überwinden

Bilderbox.com
Bilderbox.com

Vor einen Monat haben die Bundesminister Gabriel, de Maizière und Dobrindt die Digitale Agenda der Bundesregierung vorgestellt. Wichtige Ziele dieser Agenda sind die Erschließung des wirtschaftlichen Innovationspotenzials der Digitalisierung, die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung z.B. durch digitale Dienstleistungen und die Gestaltung digitaler Lebenswelten in und mit der Gesellschaft.

Entscheidende Grundlage für diese Entwicklungen ist zum einen der verlässliche und schnelle Internetzugang für alle. Das Vorhaben, bis 2018 Anschlüsse mit einer Übertragungsrate von mindestens 50 Mbit/s für alle einzurichten, mag ambitioniert erscheinen, wenn man sieht, wo wir insbesondere in ländlichen Gebieten stehen – als echte Zukunftsvision taugt es nur bedingt und kann nur ein Zwischenschritt sein! Damit alle Menschen, alle Institutionen, alle Unternehmen auch in der Fläche sich auf den Weg machen können, an den Chancen der Digitalisierung teilzuhaben, müssen wir uns den Ausbau des Glasfasernetzes als zukunftsfeste Technologie vornehmen, und dazu braucht es gezielte staatliche Förderung.

Grundlegend ist zum anderen, und auch da liegen wir hinter den europäischen Nachbarn weit zurück, eine Strategie für die digitale Bildung unserer Kinder, aber auch der erwachsenen und der älteren Generation. Nur die kompetente, souveräne Nutzung digitaler Medien ermöglicht echte Teilhabe, und in dieser Frage droht unserer Gesellschaft eine digitale Spaltung! Mit einer die Ebenen übergreifenden Strategie „Digitales Lernen“ und nachhaltigen Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur, mit der Förderung freier digitaler Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources, OER), offenem Zugang zu öffentlich gefördertem Wissen (Open Access) und einem zeitgemäßen bildungs- und wissenschaftsfreundlichen Urheberrecht, das den Austausch in Bildung und Wissenschaft stärkt, muss die Grundlage für Lernen in der digitalen Gesellschaft geschaffen werden.


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Unabhängigkeit der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit dringend geboten

Gerold Reichenbach
Foto: Corinne van den Broek

Der heute im Kabinett beschlossene Gesetzentwurf zur Unabhängigkeit der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) setzt eine seit Jahren von der SPD-Bundestagsfraktion erhobene Forderung um. Gerade in der heutigen Zeit, wo Datenschutz eine herausragende Rolle sowohl im nationalen, europäischen als auch internationalen Kontext spielt, ist die Gewährleistung der Unabhängigkeit der BfDI immens wichtig.

Auch wenn in der Praxis weder die Rechts- noch die Dienstaufsicht über die BfDI ausgeübt wurde, ist das Ziel des vorliegenden Gesetzentwurfs europarechtlich konsequent. Der Europäische Gerichtshof hat bereits 2010 die Bedeutung der völligen Unabhängigkeit der Datenschutzkontrolle festgestellt.

Bei den weiteren Beratungen zum vorgelegten Gesetzentwurf ist sicherzustellen, dass die BfDI weiterhin bei allen datenschutzrechtlich relevanten Vorhaben von vornherein einbezogen wird und auch von sich aus aktiv werden kann.

Arbeitsprogramm für eine umfassende Digitalisierungspolitik

Lars Klingbeil

Die Bundesregierung hat mit der Digitalen Agenda 2014-2017 ein ambitioniertes Arbeitsprogramm für die kommenden drei Jahre vorgelegt. Damit gibt es zum ersten Mal ein zusammenhängendes politisches Programm für die Digitale Gesellschaft. Mit der Digitalen Agenda wird eines der zentralen Vorhaben des Koalitionsvertrages umgesetzt.

Positiv ist vor allem das klare Bekenntnis zum flächendeckenden Breitband-Ausbau. Das Ziel, bis 2018 alle Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen, wird nur mit einem Neustart der Breitband-Strategie gelingen. Gerade die ländlichen Kommunen benötigen dringend finanzielle Unterstützung, um Wirtschaftlichkeitslücken beim Ausbau zu schließen. Hier werden wir in der parlamentarischen Beratung finanzielle Zusagen einfordern. Das Vorhaben, die Rechtssicherheit für WLAN-Betreiber zu verbessern, ist ein weiterer wichtiger Baustein der digitalen Infrastruktur.

Die Förderung der digitalen Wirtschaft wird deutlich gestärkt. Neben einer IT-Gründungsoffensive rückt erstmals Industrie 4.0 als zentrales wirtschaftspolitisches Handlungsfeld in den Mittelpunkt. Mit dem Umbau der Hightech-Strategie zu einer umfassenden Innovationsstrategie werden die Weichen richtig gestellt. Die Weiterentwicklung des IT-Gipfels mit einer Öffnung für die Zivilgesellschaft war überfällig. Das Ziel der digitalen Agenda, die Zahl der IT-Gründungen deutlich zu erhöhen, ist richtig und muss mit entsprechenden Maßnahmen unterfüttert werden.

Mit dem Programm digitale Verwaltung 2020 werden im öffentlichen Bereich die Weichen zu mehr digitaler Transparenz und Bürgerfreundlichkeit gestellt. Dazu gehören auch entschlossene Schritte zu mehr Open Data, um die Innovationspotenziale in diesem Bereich zu heben. Der Bund muss hier eine Vorreiterrolle übernehmen.

Besonders wichtig bei der Umsetzung der Digitalen Agenda werden auch die geplanten Investitionen und Vorhaben im Bereich der IT-Sicherheit sein. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, die in einem IT-Sicherheitsgesetz festgehalten werden sollen, brauchen wir dringend mehr finanzielle Mittel für die Forschung und Entwicklung im Bereich der IT-Sicherheit. Der Erhalt und die Rückgewinnung der digitalen Souveränität ist eine Grundlage für den weiteren Ausbau von Digitalen Infrastrukturen und eine Grundvoraussetzungen dafür, die mit der Digitalen Agenda gesteckten Ziele zu erreichen. Hier muss in den kommenden Jahren ein klarer Schwerpunkt liegen.

Gemeinsam mit den Ländern und weiteren Akteuren aus dem Bildungsbereich muss auch eine Strategie für digitales Lernen entwickelt werden. Wir müssen die Chancen der digitalen Medien nutzen und dafür sorgen, dass in Schulen, Aus- und Weiterbildung die grundlegenden Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien erworben werden können. Auch den Fachkräftebedarf einer Digitalen Wirtschaft müssen wir noch mehr in den Blick nehmen.

Die Vorstellung der Digitalen Agenda ist der Auftakt und der Start eines offenen Umsetzungsprozesses. Die Umsetzung dieses zentralen politischen Vorhabens kann nur in enger Abstimmung mit den Bundestagsfraktionen, Ländern, Kommunen und der europäischen Ebene sowie Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft gelingen. Der neu eingerichtete Ausschuss Digitale Agenda des Deutschen Bundestages wird die Umsetzung der Digitalen Agenda maßgeblich begleiten und voranbringen.