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Wo es einen Berg gibt, gibt es in zivilisierten Ländern ein Bergamt und in Deutschland auch ein Oberbergamt.
Diese Ämter befassen sich aber nicht mit dem Bau von Bergen, auch nicht mit dem Abbau der selben. Sie befassen sich mit dem Bau und dem Abbau unter der Erde; egal, ob unter Bergen oder unter Ebenen. Unter der Erde ist eben alles eben oder nach dem Abbau auch nicht, manchmal sogar dann oben nicht mehr. Das nennt man dann auch in der Ebene Berg-schaden.
In Bonn ist im preußischen Oberbergamt mittlerweile das Historische Seminar untergebracht. Das war in gewisser Weise ironisch gedacht. Schließlich wird der Bergbau immer weniger und von Preußen ist nur noch der Umgangston der Berliner geblieben.
Norbert Röttgen will nun – vielleicht davon inspiriert – historisches Bergrecht in Gorleben bei einer Erkundung für die Zukunft anwenden,
damit Bürger, Wutbürger und andere Querulanten ihm nicht in die Quere kommen können.
Das wiederum ist wirklich unterirdisch.
Mir ist folgende Mail ins Netz gegangen:
Erfolgsmeldung
Es ist der S-Bahn am Wochenende gelungen, einen Zug bis Ahrensfelde durchzubringen.
Ob der Zug Donnerstag oder Freitag in Potsdam gestartet war, konnte nicht mehr geklärt
werden. Der Lokführer war zwischenzeitlich aus Rationalisierungsgründen in den Vorruhe-
stand geschickt worden und die Zugnummer konnte bisher nicht entziffert werden, da die für
das Freikratzen erforderlichen Mitarbeiter derzeit zu Kontrolleuren umgeschult werden. Die
Computerdaten sind aufgrund eines vorübergehenden Stromausfalles gelöscht. Den Zug
hatte während der Fahrt niemand verlassen, da die Schilder auf den Stationen nicht lesbar
waren, keine Durchsagen erfolgten und die Leuchtbänder in den Wagen immer nur die Stati-
on „selftest“ anzeigten, die keiner kannte. Außerdem klemmten die meisten Türen sowieso.
Die Passagiere werden derzeit aufgetaut und konnten noch nicht befragt werden.
Der Vorstand bewilligte sich nach der erfolgreichen Fahrt sofort Sonder-Boni. Bundesver-
kehrsminister Ramsauer lobte das Krisenmanagement der Bahn und seine eigene erfolgrei-
che Verkehrspolitik. Bahnchef Grube ließ die Bauarbeiten für Stuttgart 21 für eine Minute
unterbrechen und eine Gedenkminute für den Erfolg in Berlin einlegen. Die Berliner Ver-
kehrssenatorin erklärte, angesichts der anhaltenden Probleme bei der S-Bahn sei der Senat
nicht mehr nur erstaunt, sondern sehr erstaunt und nähere sich der Verärgerung. Er überle-
ge, ob er, wenn es so bleibe, nicht prüfen solle, ob zu geeigneter Zeit über Konsequenzen
nachgedacht werden müsse. Die Grünen erklärten, die Bahn sei, wenn sie stehe, besonders
umweltfreundlich und die Fahrpläne lieferten doch eine präzise Information darüber, wann
mit Sicherheit kein Zug fahre. Die Linke erklärte, nach dem Einmarsch der Roten Armee ha-
be die S-Bahn besser funktioniert als jetzt und korrigierte die Meldung wenig später dahinge-
hend, dass man das Wort „selbst“ nach dem Einmarsch vergessen habe, was aber nicht
heiße, dass die Linke selbstvergessen sei. Die FDP sieht die Bahn jetzt wieder auf gutem
Weg zum Börsengang und zu weiteren Investitionen in Quatar, wo man ohnehin keine Wei-
chenheizungen brauche. Ein Sprecher der Bahn meinte, die Einschränkung des Betriebs sei
kinderfreundlich, weil es das Risiko Minderjähriger verringere, in Brandenburg auf freier
Strecke ausgesetzt zu werden. Die Laizisten plädierten für die Abschaffung des Wetters.
Die S-Bahn will als Entschädigung für die Fahrgäste in Zukunft Toilettenwagen an die Züge
anhängen, sie könnten allerdings erst benutzt werden, wenn die Wagen durchgängig gestal-
tet seien, wofür es noch keine Planung gebe.
Ein Sprecher der Bahn kritisierte den Text, den sie gerade lesen, als völlig unsachlich und
überzogen. Jakob Mierscheid zeigte sich betroffen, meinte aber: Was ist eine Groteske ge-
gen die Realität.
P.S.
Selbstverständlich distanziere ich mich von diesem Pamphlet. Und zwar mit Abscheu und
Empörung.
Ich würde gerne melden:
- Die S-Bahn fuhr.
- Der Zug war pünktlich.
- Die Türen ließen sich öffnen.
- Der Wagen war geheizt.
- Es gab einen Sitzplatz.
- Der Zug blieb nicht liegen und kam an.
Aber wir sind in Berlin.
Der Winter kam völlig unangemeldet.
Und märchenhaft sind in Berlin nur die Gehälter der S-Bahn-Manager.
oder
Ein Jahr schwarz-gelb
Alles das, was oben steht, sind sprachliche Stilmittel, wobei die Unter-Überschrift nicht signa-
lisieren will, das schwarz-gelb Stil hat.
Das, was sie tun, hat nur Methode.
Ein Pleonasmus ist eine Verdopplung des Inhalts. Also z.B.: streitende schwarz-gelbe Koali-
tion.
Ein Oxymoron ist ein widersprüchlicher Inhalt. Also z.B.: schlüssige Politik der Bundesregie-
rung.
Ein Synonym meint die Gleichheit der Bedeutung verschiedener Begriffe, z.B. „schwarz-
gelbe Koalition“ und „unsoziale Politik“.
Eine Tautologie ist mit dem Pleonasmus verwandt, aber keine streitende Schwesterpartei.
Also z.B.: schwache schwarz-gelbe Koalition.
Ein Tropus ist eine rhetorische Figur. Davon gibt es mehrere, z.B.
- Ironie. Die Koalition ist eine „schlagende Verbindung“.
- Metapher. Die Koalition ist eine „geschlagene Verbindung“.
Ein Backronym ist eine Abkürzung, deren Bedeutung sich gewandelt hat.
Z.B. FDP heißt jetzt „fast 3 %“.
Die Chinesen haben eine Mauer gebaut, um sich vor ungewünschter Einwanderung
aus dem Westen (im Osten haben sie ein Meer) zu schützen. War lange Zeit erfolg-
reich.
Die Germanen haben die Römer eine Mauer, den Limes, bauen lassen, um sich vor
unerwünschter Westeinwanderung und vor spätrömischer Dekadenz zu schützen.
Hat lange gehalten.
Die DDR hat eine Mauer gebaut, um sich vor unerwünschter Westeinwanderung und
Überfremdung zu schützen, nachdem die Nachfahren der Römer sich in West-
deutschland breit gemacht hatten.
Kaum war die Mauer der DDR offen, sind auch gleich ein ganzes Parlament und eine
halbe Regierung eingewandert.
Trotzdem, die Zeit der großen Mauern ist vorbei.
Was lernen wir daraus?
Der englische Philosoph Pink Floyd hat formuliert, was wir alle nicht mehr sein sollen:
„All in all you all were just bricks in the wall.“
Gelegentlich, so alle paar Jahrzehnte, haben wir eine Diskusison über die neue Mit-
te. Was sie ist und warum wir sie brauchen.
Um es kurz zu machen: Ich finde, wir brauchen eine. Warum?
Dazu muss man sich nur die alte Mitte Deutschlands anschauen.
Um sie zu finden gibt es lt. Wikipedia verschiedene Methoden, aber ein ziemlich ein-
deutiges Ergebnis: Die alte Mitte Deutschlands liegt im Norden von Thüringen.
Sie ist eingerahmt von Göttingen (Georg Christoph Lichtenberg und Peter Struck),
Eisenach (Johann Sebastian Bach und Charlotte von Stein), Mühlhausen (Thomas
Müntzer und Christoph Matschie) und Kassel (Holger Börner und Günter Bannas).
Das ist zunächst einmal ziemlich respektabel.
Aber wenn man genauer hinschaut, sieht die Sache nicht mehr so gut aus. Die alte
Mitte Deutschlands liegt zwischen den Orten Niederdorla und Oberdorla, im Unstrut-
Hainisch-Kreis, in der Verwaltungsgemeinschaft Vogtei. Und am Pfingstdienstag wird
in Oberdorla der Strohbär durch den Ort geführt, während in Niederdorla
„Geschmink“ gegessen wird, Kartoffeln mit Hammelfleisch.
Und da ist ein altes Opfermoor am Mittelpunkt Deutschlands, wo früher die alten
Germanen Opfer gebracht und Menschen versenkt haben.
Diese Mitte Deutschlands sollten wir hinter uns lassen.
Heute: die Gurkenkönigin
Gegenden in Deutschland, in denen die Gurken besonders gepflegt werden, kennen die
Institution der Gurkenkönigin.
So gibt es eine bayerische Gurkenkönigin.
Es gibt auch eine Gurkenkönigin in Hessen, im Ried, da wo die Gurken „Gummern“ heißen.
Wir empfehlen für die Chefin einer Gurkentruppe die Wahl zur Gurkenkönigin im hessischen
Biblis.
Biblis hat Vorteile. Man muss da als Königin nicht selbst strahlen, dafür gibt es gleich zwei
Blöcke. Laufzeitverlängerung fürsorglich angestrebt.
Und in Hessen gibt es dem Vernehmen nach keinen Koch mehr, der Gurken einmachen
würde.
Und während von den dortigen Wildsäuen nicht bekannt ist, dass sie Gurken fressen, ist von
Brüderle von der anderen Rheinseite nur bekannt, dass er Weinköniginnen küsst.
Königshaus
Der neue Wehrbeauftragte will Verfassungsorgan werden.
Wir sollten ihn mit Namen in die Verfassung schreiben.
Dann wären wir eine Monarchie und die FDP wäre gerettet.
Kanzler U-Bahn
Die Kanzlerin erinnert immer mehr an die Berliner Kanzler U-Bahn:
unterirdisch, auf kurzer Strecke hin und her fahrend, wenig Anhänger.
Hätte Theodor Heuss gesagt. Ich mach auch mit, ich hab‘s gelernt, auch wenn ich eigentlich auf einer manuellen Schreibmaschine zu tippen gewohnt bin und in der Schule mir Schreiben in Sütterlin beigebracht wurde, was ich immer noch kann, auch wenn die meisten gar nicht mehr wissen, was das überhaupt ist und gar nicht mehr lesen können, was ich in Sütterlin schreib und das dann auf meine Handschrift schieben, was aber nicht stimmt. Aber das Leben geht weiter, die Technik entwickelt sich und ich, der eigentlich altmodische bin auch dabei, real, nicht nur virtuell, jedenfalls könnt ihr lesen was ich hier schreibe.
Das Netz ist eine wichtige Sache, ich arbeite ständig damit und deshalb ist es richtig, dass sich eine Enquete-Kommission damit beschäftigt, die nicht nur aus Politikern besteht, sondern auch aus Sachverständigen, wobei auch Politiker sachverständig sind, aber das Ganze auch unter anderen Aspekten betrachten, die mehr berücksichtigen als die Überlegungen derer, die am Netz arbeiten, weil die Entwicklung der Technik viele Möglichkeiten eröffnet und neue schafft, aber auch Fragen aufwirft, die man klären muss und die kontrovers sind und das kann eigentlich nur die Politik klären. Dafür ist sie da. Aber dazu muss sie sich informieren und die anhören und sich mit ihnen zusammen und in der Sache auseinandersetzen, die sich mit dem Netz beschäftigen, was wissen, was meinen, was wollen und was mitzuteilen haben.
Also dann los.
Man glaubt es kaum. Schwarz-gelb hat etwas zustande gebracht.
Und ein Gesetzgebungsverfahren erfolgreich abgeschlossen.
Das Kraftfahrzeugsteuergesetz wird novelliert. 2. und 3. Lesung finden in dieser Wo-che statt und wenn auch noch der Bundesrat zustimmt, kann das Gesetz in Kraft treten.
Dann ist die Steuerbefreiung von Milchfahrzeugen erweitert – mit der Folge, dass sie künftig Gewebeproben zur Tierseuchenbekämpfung mittransportieren dürfen, ohne ihre Steuerbefreiung zu verlieren. Und das gilt für Milchsammelwagen von Molkereien und entsprechende Fahrzeuge von beauftragten Speditionen.
Na also, es geht voran.
Die Regierung schafft was.
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