Durban bringt einfach zu wenig

Nach Verabschiedung der “Durban Plattform” erklären der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Matthias Miersch und der stellvertretende umweltpolitische Sprecher Frank Schwabe:

Der Beschluss von Durban ist bei weitem nicht ausreichend. Er ist ein Schritt, aber in der Substanz viel zu wenig. Er lässt sich nur rechtfertigen, um kleine Fortschritte wie bei der Organisierung des Klimafonds (GCF) zu sichern. Es ist auch nach Durban vollkommen unklar ob es ein wirklich rechtsverbindliches Abkommen geben wird. Die Zeitachse ist viel zu lang. Die Verbindlichkeit der Untersuchungsergebnisse des Weltklimarats IPCC für den Prozess sind verwässert. Die Herkünfte der Mittel für den Klimafonds völlig ungeklärt.

 Bei aller gerechtfertigten Kritik am Ergebnis ist aber auf der Konferenz eine neue Weltlage sichtbar geworden. Die Dynamik mit der sich einzelne Länder der Herausforderung des Klimawandels stellen, hat zugenommen, neue Bündnisse sind sichtbar geworden. China spürt den wachsenden Druck, einer gewachsenen Verantwortung gerecht zu werden, die USA wollen nicht völlig isoliert werden. Die Zeit war aber noch nicht reif, daraus etwas wirklich Substanzielles zu Papier zu bringen.

 Der UN-Prozess ist nicht ausreichend. Er bleibt aber unabdingbar. Er bietet das einzige Forum, wo sich kleine und große Staaten einbringen können. Der UN-Prozess muss aber professionalisiert werden. Wahrscheinlich reichen die vergangenen Tage des “High Level Segments” nicht aus und die Umweltminister brauchen mehr Zeit.

 So wichtig der UN-Prozess ist, er wird am Ende den weltweiten Klimaschutz beschließen, aber er kann ihn nicht vorantreiben. Deshalb müssen noch konsequenter als zuvor Allianzen geschmiedet werden. Das betrifft beispielsweise den Ausbau der Kooperation zwischen Europa und China ebenso wie eine EU-Initiative für Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, in der jedes EU-Land gemeinsam mit einer gleichen Anzahl von Ländern in der Welt eine enge Kooperation eingeht. Ein solches Bündnis der 54 (27plus27) könnte enorme Impulse setzen.

 Auf den UN-Prozess als Treiber einer ambitionierten und im eigenen Sinne erfolgreichen Klimaschutzstrategie in Deutschland und der EU zu setzen, ist falsch. Die richtige Logik ist, jetzt nicht weiter zu warten. Das bedeutet eine konsequente deutsche verbindliche Klimaschutzpolitik mit einem Klimaschutzgesetz umzusetzen. Dazu ist ein Zukunftsinvestitionsprogramm notwendig, das richtige Akzente sowohl für die europäische Finanzkrise als auch die Klimakrise setzt. Für die EU bedeutet es eine schnelle Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie ebenso wie eine schnelle Umstellung des Klimaschutzziels auf eine 30-Prozent-Reduktion. Das ist schon deshalb notwendig, weil nach den Durban-Beschlüssen bis zum Mai des nächsten Jahres Reduktionsverpflichtungen für die Teilnehmer genannt werden müssen.

 Die Rolle der EU auf der Klimakonferenz war gut. Endlich wurde wieder eine sichtbar antreibende Rolle eingenommen. In diese mutige Strategie eingebettet war ausdrücklich auch Deutschland. Trotzdem muss auch hier eine weitere Professionalisierung unabhängig von wechselnden Ratspräsidentschaften vorgenommen werden. Europäische Integration wird auch im internationalen Klimaprozess notwendiger denn je, wenn Europa selbstbewusst die eigenen Positionen vertreten will.

Formelkompromisse sind falsch - Vorreiterallianzen weiter entwickeln

Es verdichten sich die Zeichen, dass bereits aus Zeitmangel kein Ergebnis erzielt wird! Unser Shuttle geht gleich! Deshalb müssen wir Blog jetzt beenden, indem wir nun unsere Abschlusseimschätzung übermitteln!

Die Konferenz zeigt erneut, dass es nicht reicht auf den UN-Prozess allein zu setzen. Er wird zweifellos gebraucht, aber nicht als Alibiveranstaltung. Ein Weckruf durch einen Abbruch wäre richtig, bevor windelweiche Formelkompromisse geschlossen werden. Nötig ist aber vor allem das Schmieden neuer Allianzen, das Entwickeln eines gemeinsamen Verständnisses der Herausforderungen mit anderen Teilen der Welt. Dieser eingeschlagene Weg hat durchaus auch auf der Konferenz sichtbare Bewegung gebracht. Er muss umso konsequenter weiter verfolgt werden.

Dazu gehört auch, dass jedes der EU-Länder gemeinsam mit einem Partnerland eine gemeinsame Agenda für Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz entwickelt. Eine solche Gemeinschaft der 54 (27plus27) zu organisieren ist eine lohnende Aufgabe der EU.

Unsere Einschätzung nach zahlreichen Gesprächen mit Vertretern anderer Länder ist, dass zum einen die Auswirkungen des Klimawandels stark zunehmen. Zum anderen wächst aber auch das gegenseitig Verständnis des notwendigem Handelns.

Die Rolle der Europäischen Union war eine konsequentere als bei den letzten Konferenzen. In diesem Zusammenhang hat sich auch die Deutsche Delegation konsequent und richtig verhalten. Die Zustimmung Deutschlands zur Anrechnung von CCS im CDM ist allerdings grundfalsch.

Wenn das UN-Format nicht ausreicht, dann wird eine konsequente nationale und europäsche Politik umso wichtiger. Nach der UN-Theorie kommt jetzt die Praxis: für Europa heißt das schnell das EU-Ziel auf 30 Prozent zu verschärfen und die Energieeffizienzrichtlinie durchzusetzen. Für Deutschland heißt das eine Energie- und Klimapolitik zu machen, die Ziele auch mit Maßnahmen unterlegt. Dazu braucht es ein verbindliches Klimaschutzgesetz.

In der aktuellen Situation der europäischem Finanzkrise sollen mit einem Konjunkturprogramm für Klimaschutz und Energieeffizienz zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Noch kein neuer Text

Neueste Nachrichten: Noch kein neuer Text. Gerücht, dass es auf eine Vertagung auf eine neue Konferenz hinausläuft.

Es sieht nicht gut aus! Offenbar ist eine Struktur der Verhandlung nicht gegeben, einige Länder können auch wohl keine flugumbuchung mehr vornehmen!

Plenum verschoben

Sportveranstaltung außerhalb des Geläendes vermittelt aktuell mehr Schwung! Plenum verschoben, gerade Konsultationen und Fortsetzung wohl erst nachmittags! Werden jetzt noch einmal lauschen, was der Flurfunk sagt! Alles scheint weiter offen, wobei immer klarer, dass Text und Worte die eine Seite und klares Handeln die andere!

Weitere Unterbrechung

Weiter Unterbrechung! Seit sechs Uhr morgens soll ein neuer textvorschlag vorliegen! Pressekonferenz fuer 13.45 angesetzt, allerdings auch verzechte, dass möglicherweise erst Sonntag Entscheidungen! Die Entwicklung zeigt schon jetzt, dass die Konzentration auf den UN-Prozess keinesfalls ausreicht!

Unterbrechung des Plenums

Unterbrechung!

Angeblich Fortsetzung erst um 8.00 am Samstag! Sackgasse oder Befreiungsschlag!

Durban: Auf des Messers Schneide

Unterpunkte werden zur  Zeit im Plenum behandelt! Es gibt das Gerücht, dass ein erster Textentwurf Südafrikas – mit Ausnahme von wenigen Staaten wie der USA – als zu wenig ambitioniert abgelehnt worden sein soll! Demnach soll die Sitzung für mehrere Stunden unterbrochen werden, damit neuer Entwurf vorgelegt werden kann.

Die Konferenz neigt sich dem Ende entgegen. Was passiert hier eigentlich und wie ist die Lage der internationalen Klimapolitik heute und möglicherweise nach Durban? Der Versuch einer ersten Einordnung in fünf Punkten:

1. Die Welt wird der Herausforderung nicht gerecht

Die Occupy-Bewegung sitzt nicht nur vor dem Deutschen Bundestag sondern ist jetzt auch in Durban. Die jungen Menschen machen noch einmal die grundsätzlichen Dinge klar. “COP 17 = 200 Millionen Klimatote” steht auf den Plakaten. So oder jedenfalls so ähnlich ist es. Jedenfalls wird deutlich wie grundsätzlich die Fragen sind, die wir hier stellvertretend für die Weltgemeinschaft besprechen. Und ebenso wie sehr es uns allen in der Welt nicht gelungen ist, uns diesen Herausforderungen in angemessener Weise zu stellen. Die reale Situation in der Welt, wie wir sie hier auch immer in unseren zahlreichen Gesprächen kennengelernt haben, ist in Teilen bereits dramatisch. Es sterben bereits heute Menschen aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels, wahrscheinlich Zehntausende jährlich. Also ist es aus dieser Perspektive in Durban alles in unglaublicher Dimension nicht genug.

2. Durban: auf des Messers Schneide

Die Konferenz steht auf der Kippe. Die Frage ist im Grunde, ob die Staaten, die bisher nicht dem Kyoto-Protokoll unterliegen, bereit sind eine verbindliche Form von Verpflichtungen einzugehen. Dagegen würde die EU dann einer neuen Kyoto-Verpflichtungsperiode zuzustimmen. Die beiden Hauptstreitworte, an denen sich die Debatte im Kern gerade festmacht sind “legal framework”. Das ist der Europäischen Union, den AOSIS-Inselstaaten und den ärmsten Staaten (LDCs) deutlich zu wenig. Umweltminister Röttgen stützt diese Position. Das ist richtig und deshalb haben wir ihm dafür die Unterstützung zugesagt. Es gibt jetzt mehrere Optionen. Kein Abschluss und wieder ein Jahr Warten bis zur Konferenz in Quatar, ein mehr oder weniger guter Beschluss hier oder eine formale “Unterbrechung” der Konfernz um ein halbes Jahr und einen angestrebten Abschluss wahrscheinlich bei der jährlichen Sommer-Zwischenkonferenz in Bonn.

3. Klima-Welt ordnet sich neu

Bei aller Skepsis gab es in den letzten Monaten eine ungeheure Bewegung. Auf der Konferenz gab es eine Dynamik, die so nicht zu erwarten war. Es bilden sich neue Allianzen. Die UN-Klimaverhandlungen sind auch ein Spiegelbild der Veränderung der Weltlage. Es geht nicht nur um Klima. Das wäre schon genug. China kommt in eine neue Rolle. Mit mehr Treibhausgas-Emissionen, mit gewachsener wirtschaftlicher Kapazität, mit einer damit aber auch gewachsenen Verantwortung. Und China versucht sich neu zu orientieren. Hinter den Kulissen findet auch in Peking die Auseinandersetzung um die Interpretation der neuen Rolle statt. Die kleineren ärmeren Staaten und diejenigen, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, scheinen ihre Rolle zunehmend selbstbewusster zu formulieren, manche Schwellenländer wie Mexiko und Südafrika sind in Bewegung. Und schlussendlich wächst noch einmal der Druck auf die USA. Also insgesamt eine Klimawelt in Bewegung und möglicherweise ein sich zaghaft ankündigendes Ende einer 2-jährigem Klimadepression nach Kopenhagen 2009.

4. Klima-Doppelstrategie ausbauen

Es war und ist richtig eine Klima-Doppelstrategie zu entwickeln und auszubauen. Der UN-Prozess ist alternativlos, er muss bleiben. Es ist gut und richtig, daneben allerdings – und auch unabhängig vom Fortgang des UN-Prozesses – neue Allianzen zu schmieden. Zwischen Ländern, aber auch zwischen Regionen und Kontinenten. Es ist richtig, dass Europa beispielsweise die Zusammenarbeit mit China z.B. im Bereich des Aufbaus eines chinesischen Emissionshandelssystems organisiert. Es wäre gut, wenn jedes europäische Land mit einem Land weltweit eine sehr enge Klimaachutz- und Erneuerbare Energien Kooperation eingehen würde. Diese Strategie ist die entscheidende, unabhängig davon was die USA, China, Indien oder andere auf den interantionalen Konferenzen machen.

5. EU und Deutschland müssen aus eigener Überzeugung handeln

Völlig unabhängig von UN-Konferenzen und Allianzen müssen Deutschland und die EU für sich klären, ob eine eigene Klimaschutzpolitik eine erfolgreiche Strategie ist. Dabei geht es um eine effiziente Ökonomie und    mittel- und langfristig eine sozialpolitische Strategie, die unabhängiger von Weltmarktpreisen für Energierohstoffe macht. In diese Strategie gehört unumgänglich ein verbindliches Klimaschutzgesetz in Deutschland und ein verbindliches und unabhängiges 30-Prozent-Minderungsziel in der EU.

Stromausfall in Durban

Kurzer Stromausfall-Durban steht Kopf (siehe Anzeige)! Ein Zeichen?

Plenum füllt sich langsam-es soll gleich losgehen!

Es wird eine lange Nacht in Durban

Alles wartet auf eine Vorlage der südafrikanischen Präsidentschaft! Alles ist offen, alles deutet auf eine lange Nacht hin! USA, Russland und Kanada blocken! Bewegung bei Brasilien! Wir stimmen mit all denen überein, die keine faulen Kompromisse wollen! Jetzt treffen wir unseren Kollegen Jo Leinen, den Vorsitzenden des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments!

Maathias Miersch und Frank Schwabe

In Lesotho gibt es deutliche Auswirkungen des Klimawandels

Gespräch mit Vertretern von Lesotho. Auch dort sind die Auswirkungen des Klimawandels mehr als deutlich: die Wetterextreme bedrohen die Landwirtschaft und damit die Nahrungsversorgung. Gleichzeitig herrscht Wasserknappheit. All diese Dinge haben auch Auswirkungen auf die gesundheitliche Situation. Die ökonomischen und sozialen Folgen sind offenkundig. Wir diskutieren über Hilfsprogramme und über den Aufbau von Beziehungen – auch zwischen den Parlamenten!

Demonstration vor dem Plenum

Vor dem Plenum in Durban wird demonstriert!

Matthias Miersch und Frank Schwabe