Zurück in die Zukunft

Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion; Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)
Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion; Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Elektroautos erreichen nur mit staatlichem Anschub den Massenmarkt, glaubt Hubertus Heil. In einem Namensbeitrag für das Handelsblatt erläutert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, warum und wie die Elektromobilität jetzt entscheidend vorangebracht werden muss.

Eine Million: Diese Zahl steht im Koalitionsvertrag als Ziel für die Anzahl von Elektroautos, die in unterschiedlichen Varianten bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen gebracht werden sollen. Das Kraftfahrt-Bundesamt zählte zum 1. Januar 2015 insgesamt 18 948 Elektrofahrzeuge wenn auch ohne die Hybridantriebe. Im Land von Carl Benz und Gottlieb Daimler scheint die Elektromobilität nicht recht vom Fleck zu kommen. Das politische Ziel ist jedoch kein Selbstzweck. Dahinter steht der Anspruch, Leitmarkt und Leitanbieter von Elektromobilität zu werden. Es geht dabei um nicht weniger als um das Kernstück der deutschen Industrie. Es geht um die Zukunft unserer Automobilindustrie.

Die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer sind Weltspitze im Bereich der konventionellen Antriebe – bei Benzinern und beim Dieselmotor. Die Gefahr ist groß, sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. Nun hat die deutsche Automobilindustrie zwar rund 30 verschiedene E-Modelle auf dem Markt, aber eben eher in den Schauräumen als auf der Straße. Für jeden Verkauf eines Stromers legt ein Autohersteller – die enormen Entwicklungskosten eingerechnet mehrere Tausend Euro drauf. Erst Mengeneffekte führen zu einer größeren Wirtschaftlichkeit für die Unternehmen und zu signifikanten Preisreduktionen für die Kunden. Anders gesagt: Die Elektromobilität muss in den Massenmarkt.

Elektroautos: Drei Hürden überwinden

Drei große Hürden gilt es zu überwinden: die derzeit noch höheren Kosten für den Konsumenten im Vergleich zu den konventionell betriebenen Fahrzeugen – im Durchschnitt etwa 5 000 Euro -, die bislang mangelnde Reichweite durch zu geringe Kapazitäten der Batterien und die noch unzureichende Ladeinfrastruktur. Letztere blieb bisher vor allem deswegen hinter den Erwartungen zurück, weil die notwendige Investitionssicherheit durch einheitliche Steckerstandards für das Laden von Elektromobilen nicht gegeben war. Das wird der Bundesrat mit seiner Zustimmung zur Ladesäulenverordnung Ende Februar hoffentlich ändern.

Die hohen Anschaffungspreise für Elektrofahrzeuge dürften jedoch das größere Hemmnis sein. Daher fordert die SPD-Bundestagsfraktion ebenso wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Anreize der öffentlichen Hand in Form von Kaufprämien für private Kunden. Die bayerische Staatsregierung scheint diese Notwendigkeit begriffen zu haben, im Gegensatz zu dem für Verkehr zuständigen CSU-Minister Alexander Dobrindt. Nun ist die Bundeskanzlerin gefragt: Sie muss industriepolitische Verantwortung übernehmen und grünes Licht für Kaufanreize geben.

Einen Beitrag muss auch die Industrie selbst leisten. So wäre es denkbar, dass sich die deutschen Autohersteller an einem Fonds zur Finanzierung der Kaufprämie beteiligen. Dabei müsste natürlich sichergestellt werden, dass sie die Prämie nicht von vornherein in die Verkaufspreise einkalkulieren. Zudem muss sich die deutsche Industrie verpflichten, in Batteriezellfertigung zu investieren. Nur so kann die Wertschöpfung tatsächlich in Deutschland stattfinden. Anders formuliert: Wir wollen Batteriekompetenz und Batterieproduktion wieder nach Deutschland holen zurück in die Zukunft der Automobilindustrie.

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>> Zum Positionspapier „Elektromobilität voranbringen“ der SPD-Bundestagsfraktion

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